Pressetext vom 22.01.2007
void_
rauminstallation von Juliane Stiegele
22. Februar 2007 bis 07. April 2007
Kirche St. Moritz, Moritzplatz, Augsburg
Vom 22. Februar – ein Tag nach Aschermittwoch – bis zum Karsamstag am 7. April wird der Innenraum der Augsburger Kirche St. Moritz durch eine künstlerische Installation verändert werden, die mit allen Sehgewohnheiten bricht. Die Künstlerin Juliane Stiegele formuliert in ihrer aufwendigen und hochkonsequenten Installation unter dem Titel void_, die das gesamte Kirchenschiff einbezieht, die Tradition des "Bilderfastens" neu und lenkt die Konzentration des Besuchers auf ungewohnte Weise hin zum inneren Dialog.
Die Installation von Juliane Stiegele ist in ihrer Radikalität einzigartig und konfrontiert den Kirchenbesucher mit einer Einladung zur ästhetischen Askese, die in ihrer Konsequenz den vertrauten Anblick des Kirchenraums von St. Moritz bis ins kleinste Detail aufhebt. Alle optischen Fixpunkte, wie die kirchlichen Skulpturen und Einbauten, und die liturgischen "Alltagsgegenstände", wie zum Beispiel die Kirchenbänke, werden im Sinne eines "visuellen Fastens" auf Zeit unsichtbar sein. Sämtliche für einen Sakralraum wesentlichen Elemente wie Altar, Licht, Kreuz, Architektur, Mensch und liturgische Handlung finden so innerhalb der Installation void_ einen neuen, überraschenden Fokus. "Verankert" bleibt void_ allein durch die zeitliche Einordnung in der Fastenzeit und räumlich in der Architektur des Kirchenschiffs.
Das Kunstwerk von Juliane Stiegele wirkt auf den Betrachter situativ und aus dem Moment des Erlebens. Jeder Kirchenbesucher wird mit seinem persönlichen Empfinden das Kunstwerk von Juliane Stiegele auf andere Weise wahrnehmen und interpretieren. In seiner Offenheit und Loslösung von fest gefügten Mustern und Ritualen ist void_ von der Künstlerin und den Veranstaltern, der CitySeelsorge der katholischen Kirche St. Moritz, als Experiment und als zeitlicher und kommunikativer Prozess angelegt. Das Kunstprojekt wurde von Juliane Stiegele konzipiert und gemeinsam mit Pfarrer Helmut Haug und dem Projektverantwortlichen Michael Grau in enger Zusammenarbeit verwirklicht.
Auch ein besonderes Messgewand ist Bestandteil der Installation. Die Ikone des Kreuzes wird anhand sich überkreuzender Kondensstreifen am Himmel abgebildet und phototechnisch auf das Messgewand übertragen. Das Kreuz hat so in der Kirche St. Moritz keinen fixierten Standpunkt mehr. Es folgt vielmehr den Bewegungen des Menschen, der das Messgewand trägt, im Raum.
Allen Entwicklungen und Fragen, die void_ im Denken und Gefühl der Besucher von St. Moritz auslöst, sehen die Beteiligten mit Spannung entgegen. "Die Installation wird auch im Ablauf von Gottesdiensten und liturgischen Angeboten eine starke Wirkung hinterlassen", so Pfarrer Helmut Haug. "Wir sehen die Fragen, die die ungewohnte Auseinandersetzung mit Leere, Stille und ästhetischer Ruhe sicherlich sowohl bei den Gottesdienstbesuchern wie beim kunstinteressierten Publikum provoziert, als Herausforderung an uns, die wir mit void_ arbeiten. Wir betrachten geradezu die Reaktion jedes Einzelnen als Beitrag zu dem Kunstprojekt und als Element von void_."
Zu void_ wird während der gesamten Laufzeit von Februar bis April ein aktuelles Begleitprogramm angeboten, das wiederum die Wirkung des Kunstwerks und die Rückmeldungen des Publikums aufgreift. Dies umfasst unter anderem eine Klangnacht, Konzerte und Fachvorträge und eine "Nacht der offenen Kirche", die zur Begehung der Installation in der Kirche St. Moritz zu ungewöhnlichen Zeiten einlädt. Weitere Programme sind in Vorbereitung. Zu den besonderen liturgischen Veranstaltungen in der Fastenzeit zählen vor allem meditative Angebote wie eine 24-stündige ökumenische Bibel-Lesung, jeden Freitag ein Kreuzweg in Form einer meditativen Wanderung durch die Kirche St. Moritz, wöchentliche Anbetungen und täglich die Einladung, eine Viertelstunde gemeinsam schweigend im leeren Raum von void_ zu verbringen.
Während der Projektzeit finden weiterhin alle Gottesdienste zur gewohnten Zeit, aber immer im Dialog mit der Rauminstallation statt. Das Veranstaltungsprogramm zu void_ steht ab Februar aktuell im Internet unter www.moritzkirche.de. Die Kirche St. Moritz (Moritzplatz, Augsburg) ist täglich von 8.30 bis 19.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Hintergrund:
Die Künstlerin Juliane Stiegele lebt und arbeitet in Augsburg. Mit ihren Installationen, Videoarbeiten und Aktionskunstwerken wurde sie weltweit von renommierten Museen und Kulturveranstaltern eingeladen. Ihre meist prozesshaft angelegten Werke sprechen eine universale, sinnliche Symbol-Sprache, die über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg verstanden wird und den Betrachter aktiv in die Wirkung ihrer Kunstwerke einbezieht. In Augsburg wurden Werke von Juliane Stiegele unter anderem von den Kunstsammlungen und Museen Augsburg (Höhmannhaus, H2 Kunsthalle) und innerhalb der Langen Kunstnächte im öffentlichen Raum präsentiert.