Kirche St. Moritz
I. Geschichte
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Ehem. Stiftskirche St. Moritz, |
Die Moritzkirche ist eine der ältesten Kirchen in Augsburg. 1019 gründete der bairische Herzogssohn Bruno, Bischof von Augsburg (1006-1029) und Bruder Kaiser Heinrichs II. ein Chorherrenstift zu Ehren des Ritterpatrons St. Moritz. Damals lag es noch außerhalb der Stadt auf halber Höhe zwischen Dom und St. Ulrich und Afra.
Nach einem Brand 1084 und einem Einsturz 1299 begann man einen größeren Kirchenbau, der 1314 geweiht und 1440 abermals erneuert wurde.
1443 fand der Umbau dann mit der Errichtung des hohen Ostchores seinen Abschluss.

Grundriss nach der Wiederherstellung 1966 (Arch. A. Back)
Der Turm wurde 1494 erstmals erhöht und erhielt 1534 schließlich sein heute noch vorhandenes achteckiges Obergeschoss.
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St. Moritz vor der Bombardierung 1944 |
1510 erwarb Jakob Fugger »der Reiche« das Präsentationsrecht auf die Prediger-stelle und die Pfarrei selbst, welches bis heute besteht. Seitdem übte die Familie Fugger immer wieder ein besonderes Mäzenatentum über Stift und Kirche aus.
Während der Reformation waren die Stiftsherren für einige Jahre in Landsberg am Lech. In dieser Zeit wurde vermutlich der Westchor der Kirche, der in den heutigen Moritzplatz hineinragte abgerissen. Es ist zu vermuten, dass sich in diesem Chor auch das Stiftergrab des Bischofs Bruno befand. In der sog. Gegenreformation wurde die Kirche mit Hilfe Herzog Albrechts V. wieder hergestellt. Der Herzog stiftete wohl auch ein neues Epitaph für seinen Ahnen, das dann im vorderen Teil des Ostchores einen Platz fand. Dieses einzige Zeugnis für die Begräbnisstätte des Stifters ist leider seit Ende des zweiten Weltkrieges verschollen.
1714/1715 ließen die Stiftsherren die gesamte Kirche von dem berühmten Füssener Baumeister Johann Jakob Herkommer im Stil des Barock um gestalten. Äußerlich konnte diese Umgestaltung vor allem an einer Vollkuppel mit Laterne über dem ersten Joch des Chores bemerkt werden. Im Innern entstand der großartigste Barockbau Augsburgs.
Das Kollegiatstift, dem im Laufe seiner Geschichte immer wieder berühmte Pröpste aus europäischen Adelshäusern und dem Augsburger Patriziat vor-standen, wurde in der Säkularisation 1803 aufgehoben. Fortan war St. Moritz nur noch Pfarrkirche.
In der Bombennacht vom 24. zum 25. Februar 1944 wurde ein großer Teil dessen zerstört, was über Jahrhunderte gewachsen war. Lediglich die Außenmauern der Kirche blieben stehen. Die Innenausstattung und -dekoration wurde fast vollständig ein Raub der Flammen. Der Turm blieb unversehrt.


links: Barockes Mittelschiff von 1714 bis 1944: Joh. Jak. Herkommer (1648 –1717)
rechts: Mittelschiff nach dem Wiederaufbau durch Dominikus Böhm
Schon bald entschied man sich für den Wiederaufbau und beauftragte dafür einen der angesehensten Architekten der Nachkriegszeit: Dominikus Böhm aus Köln. Böhm gelang es, unter Bewahrung des in die Romanik zurückweisenden dreischiffigen basilikalen Baukörpers die verschiedenen Epochen der Baugeschichte zu zitieren und dennoch ein eigenständiges und aussagekräftiges Bauwerk zu schaffen.
Bedauerlicherweise wurde sein Konzept in den darauf folgenden Jahrzehnten stark abgeändert. Beispiele hierfür sind vor allem die Anhebung des Bodenniveaus um ca. 1,50 m, die Aufmauerung der ursprünglich oktogonalen Pfeiler, sowie die Schreinerarbeiten der beiden Choremporen und die Podeste der Apostelfiguren im Kirchenschiff, die ursprünglich in Mauernischen standen und so eine Gliederungsfunktion für die Wand hatten.
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Christus Salvator und St. Sebastian von Georg Petel und der Hl. Petrus, einer der acht Apostel von Ehrgott Bernhard Bendel |
Eine Kirchenrenovierung, die dringend notwendig wäre, müsste das ursprüngliche Konzept Böhms aufgreifen.
II. St. Moritz, der Kirchenpatron
Der Heilige Mauritius war zur Zeit von Kaiser Otto dem Großen und seinen Nachfolgern Patron des Reiches. Sein Leben reicht zurück in die Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Dio-kletian, in der vor allem die Christen aus dem Heer entfernt werden sollten. Mauritius war Hauptmann der soge-nannten thebäischen Legion, die aus Oberägypten stammte. Nach der Über-lieferung wurde diese Legion 302 vom Mitregenten Maximian zur Christen-verfolgung in Agaunum im Wallis, heute St. Maurice, eingesetzt. Mauritius und seine Gefährten, die sich selbst allesamt zum Christentum bekannten, weigerten sich, den Befehl auszuführen. Daraufhin ließ Maximian zur Abschreckung jeden zehnten Mann der Legion ermorden. Doch keiner der Überlebenden ließ sich von seiner Überzeugung abbringen. Immer wieder musste nun jeweils der zehnte Soldat sterben, bis die gesamte Legion und auch Mauritius selbst mit seinen beiden Offizieren Candidus und Exsuperius getötet waren. Die Gebeine der Märtyrer wurden bereits um das Jahr 380 wieder aufgefunden. Der Walliser Bischof ließ eine kleine Kapelle errichten, die schon bald zu einem viel besuchten Wallfahrtsort wurde. Im 6. Jh. wurde dann das Kloster St. Maurice gegründet, das bis heute besteht. Bischof Ulrich brachte von dort Reliquien des Heiligen nach Augsburg.

St. Mauritius Wandfresko an der Nordost -Fassade
Mauritius wurde meist als Ritter in Rüstung mit einer Fahne dargestellt. Auffallend ist in den meisten Abbildungen seine dunkle Hautfarbe, die wohl auf seinen Namen oder seine ägyptische Herkunft zurückzuführen sein dürfte.
Sein Gedenktag ist am 22. September. Er ist der Patron der Soldaten, der Polizei und der Kaufleute. Er wird angerufen für das Gedeihen der Weinstöcke, bei Gicht, Ohrenleiden, Besessenheit und in Kämpfen aller Art.
El Greco: Das Martyrium des Mauritius
und seiner Thebäischen Legion, 1582,
im Kloster des Escorial in Madrid



