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Die Patrone der Moritzkirche

Hl. Mauritius und Hl. Katharina

Wie der Weihetag einer Kirche mit dem Geburtstag zu vergleichen ist, so ist das Patrozinium der Namenstag einer Kirche. In den Raum und die Geschichte wird in gewisser Weise das Leben von konkreten bzw. legendären Gestalten eingeschrieben, so dass deren überlieferte christliche Haltung der Gemeinde und allen Menschen, die das Gotteshaus besuchen, als Vorbild dient. Im besten Falle lassen sich an den Lebensbeschreibungen bzw. Legenden Züge erkennen, die zu allen Zeiten Gültigkeit besitzen.

Mauritius (Moritz) und Gefährten (Gedenktag 21. September)

Diesen Heiligen kommt das ursprüngliche Patrozinium zu, das bereits der Gründer der Moritzkirche, Bischof Brun von Augsburg, 1019 bestimmt hat.

Die Legende ist typisch für die Lebensbeschreibung von Soldatenheiligen, von denen es aus den ersten Jahrhunderten der Christenverfolgungen viele gibt. Sie wird in die Zeit des Kaisers Diokletian und seines Mitregenten Maximian verortet (um 300).

Mauritius, ein Christ aus Oberägypten (damals eine Hochburg des Christentums), wurde Hauptmann der sogenannten thebäischen Legion, die als Eliteeinheit des römischen Kaisers galt. Es sollte sich zeigen, dass schon bald alle Soldaten der Legion Christen geworden waren.

Diese Legion wurde in das heutige schweizerische Wallis, an das andere Ende des römischen Reichs verlegt, um dort die Grenzen zu sichern, was sie wohl auch unter Einsatz ihres Lebens und mit großer Tapferkeit taten. Zum Konflikt kam es, als sie dem Kaiser als Gottheit opfern und schließlich auch Christen verfolgen sollten. Das war die Grenze der Loyalität und des Gehorsams. Mauritius und seine Gefährten legten die Waffen nieder und weigerten sich, diese Befehle auszuführen. Darauf wurden sie in immer neuen Wellen nach und nach enthauptet. Die Gebeine wurden auf dem sogenannten Märtyrerfeld im heutigen Saint-Maurice im Wallis begraben.

Die Verehrung dieser Gestalten war vor allem in der ottonischen Zeit (10./11. Jahrhundert) sehr groß. Die Kaiser machten Mauritius zum Reichspatron. Seine Lanze wurde 955 bei der Schlacht auf dem Lechfeld vorangetragen und gehörte zu den kostbarsten Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation.

Mauritius wurde ferner zum Patron der Ritter und Soldaten, wobei der Kern der Legende, die Befehlsverweigerung nicht mehr so wichtig schien.

Später kamen dann weitere Patronate hinzu. Im Wallis gilt er beispielsweise auch als Patron der Weinstöcke. Überhaupt hat sich die Verehrung von Moritz und seinen Gefährten zunächst in der Schweiz, in Burgund, in der Lombardei und entlang des Rheins bis Xanten verbreitet.

Bischof Ulrich von Augsburg hat als einer der ersten Wallfahrer nach Saint-Maurice im Wallis Reliquien des Heiligen Mauritius und seiner Gefährten nach Augsburg gebracht, wo sie zunächst im Domschatz aufbewahrt wurden. Einen Teil dieser Reliquien schenkte Ulrich seinem Freund Kaiser Otto I. Sie liegen der Gründung des Doms in Magdeburg zugrunde. Mit einem anderen Teil gründete dann gut 50 Jahre später Brun von Augsburg die Moritzkirche.

In der Kunstgeschichte finden sich viele und bedeutende Darstellungen des Heiligen Mauritius. Die Skulptur des Mauritius im Magdeburger Dom ist die erste Abbildung eines dunkelhäutigen Menschen in einer abendländischen Kirche überhaupt. Berühmt ist auch der Mauritius auf der Altartafel von Matthias Grünewald (heute Alte Pinakothek München). Das nicht weniger berühmte Gemälde von El Greco für König Philipp II. im Escorial zeigt interessanterweise nicht das Martyrium der Heiligen im Vordergrund, sondern das intensive Gespräch des Mauritius mit seinen Gefährten auf Augenhöhe, um sich gegenseitig in ihrer Haltung zu bestärken - also nicht die Geschichte einer einsamen, sondern gemeinschaftlich gefällten Entscheidung.

In der Moritzkirche sind nach der Bombennacht 1944 noch einebarocke Holzbüste des Mauritius, sowie zwei Darstellungen an der nördlichenAußenwand erhalten geblieben.

Die Legende des Mauritius stellt heute die Frage nach Loyalität und Gehorsam und ihren Grenzen. Darüber hinaus sind folgende Überlegungen mehr als aktuell: Wo hört Selbstverteidigung auf und schlägt in Gewalt um? Sollte man überhaupt auf Waffen verzichten? Ist nicht auch das eigene Leben ein unschätzbares Gut, das nicht so ohne weiteres hingegeben werden sollte? Sind Prinzipien unverrückbar, oder gilt es nicht auch, jeweils in der konkreten Situation zu entscheiden?

Katharina von Alexandrien (Gedenktag 25. November)

Wie beim Heiligen Mauritius haben wir es auch bei Katharina mit einer frühchristlichen Märtyrerin zu tun, deren Tod ebenfalls ganz in den Anfang des 4. Jahrhunderts gelegt wird. Auch ihre Lebensbeschreibung ist die typische Legende einer frühen christlichen Heiligen.

Wie Soldaten haben sich auch Frauen sehr stark vom Christentum angezogen gefühlt, weil ihnen diese neue Religion eine mit allen Menschen ebenbürtige Würde und Eigenständigkeit verhieß. Allen Bevölkerungsgruppen der damaligen Zeit, die wenig Möglichkeiten hatten, über sich selbst zu bestimmen, gab der christliche Glaube eine gewisse Emanzipation. Wie diese Emanzipation der Katharina aussah, macht die Legende deutlich, die im Laufe der Jahrhunderte immer mehr ausgeschmückt wurde. Der Beginn hat beinahe märchenhafte Züge.

Katharina soll die Tochter des Königs von Zypern gewesen sein und sich durch sagenhafte Schönheit, große Bildung und unermesslichen Reichtum ausgezeichnet haben. Kein Wunder, dass der Sohn des Kaisers auf sie aufmerksam wurde und sie zur Frau nehmen wollte. Katharina aber, die bereits zum Christentum übergetreten war und in einer Vision sah, dass Christus allein ihr Bräutigam sei, weigerte sich, ins Kaiserhaus einzuheiraten. Sie ging dann nach Alexandrien, wo sich mit der großen Bibliothek das antike Bildungszentrumschlechthin befand, und lehrte dort. Der Kaiser wurde wiederum auf sie aufmerksam und wollte sie nun selbst ehelichen. Sie weigerte sich weiterhin standhaft und bot an, zur Disputation mit den 50 gelehrtesten Männern anzutreten. Falls diese sie von ihrem Glauben und ihrer Überzeugung abbringen könnten, würde sie nachgeben. Das Gegenteil trat ein. Alle 50 Gelehrten wurden von Katharina überzeugt und traten zum Christentum über. Das nun entfesselte den geballten Zorn des Kaisers und seiner Handlanger. Sie taten dieser Frau alle nur erdenkliche Gewalt an. Sie sollte unter anderem gerädert und gevierteilt werden, aber alle Folterwerkzeuge zerbrachen. Am Ende ließ der Kaiser sie enthaupten.

Die Legende berichtet, dass Engel kamen und ihren Leichnam zum Sinai brachten, wo sich bis zum heutigen Tag das Katharinenkloster befindet.  

Die Verehrung der Katharina war bis in die Barockzeit in der gesamten Christenheit unglaublich intensiv. Im Mittelalter war sie nach Maria die am meisten verehrte Frau in der westlichen Welt. Die vielen Katharinenkirchen und Klöster geben ebenso Zeugnis davon wie die unübersehbaren Darstellungen in der Kunstgeschichte. Kaum einer der großen Maler (von Memling über Cranach bis hin zu Caravaggio, Raphael, Reni, Ribera u.v.a.)  hat nicht eine Katharina abgebildet, die Malerin Artemisia Gentileschi hat sich sogar selbst als Katharina porträtiert.

Am häufigsten wird sie dargestellt mit ihren Marterwerkzeugen, dem zerbrochenen Rad und dem Schwert, das sie nun selbst in Händen hält -vielleicht ein Hinweis, dass die tödliche Waffe in ihren Händen zum Ausdruck ihres scharfen, unbezwingbaren Verstandes geworden ist. Oft sieht man sie auch mit Buch und Griffel als Zeichen ihrer großen Gelehrtheit. Ein weiteres Motiv ist die Darstellung der Verlobung/Vermählung von Katharina mit dem Jesuskind, das auf dem Schoß der Mutter Maria sitzend Katharina einen Ring reicht - Ausdruck ihrer Eigenständigkeit und inneren Freiheit. 

Kaum eine Heilige hat so viele Patronate. Wie Mauritius war sie im Hochmittelalter auch Patronin der Soldaten und Ritter. Ferner galt sie den Schülern und Studenten, den Lehrern und Professoren als mächtige Fürsprecherin. Außerdem ist sie zur Patronin der Pariser Schneiderinnen geworden, die an ihrem Gedenktag nach alter Tradition einen freien Tag erhielten und mit Champagner feiern durften. Die weiteren Patronate und deren Ursprünge sind nahezu unüberschaubar.  

Als Heilige ägyptischen Ursprungs wird sie oft zusammen mit Mauritius verehrt. So hat bereits der Magdeburger Dom das Doppelpatrozinium. Schön ist, wie dort an einem Portal Mauritius und Katharina links und rechts dargestellt werden, um die Besucherinnen und Besucher gleichsam zu begrüßen.

In der Augsburger Moritzkirche gab es schon im Mittelalter einen Katharinenaltar, der im Zuge der Reformation und des damit einhergehenden Bildersturmes zerstört wurde. Nachdem St. Moritz 1548 wieder katholisch wurde, waren es die Fugger, die als erstes einen Katharinenaltar stifteten, der in seiner Art etwas gänzlich neues und für den süddeutschen Raum stilprägendes haben sollte. Aus der barocken Ausstattung ist ein Gemälde von Johann Georg Bergmüller (1723) überliefert, das die mystische Vermählung der Hl. Katharina mit dem Jesusknaben zeigt. Diese Darstellung fiel den Flammen der Bombennacht1944 zum Opfer.

Auch die Legende der Katharina ist von großer Aktualität. Die Ungleichheit der Geschlechter und die daraus resultierende Unterdrückung von Mädchen und Frauen ist auf der ganzen Welt nach wie vor weit verbreitet. Die Bildungschancen, sowie die Möglichkeiten in Führungspositionen zu kommen, sind ungleich verteilt. Die Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist himmelschreiend (nicht umsonst wird der Tag des „Nein zur Gewalt an Frauen“ am 25. November begangen!).

Hier reicht es nicht zu sagen, dass am Ende bzw. im Himmel alles gut wird, und Frauen wie Katharina von Männern heilig gesprochen und damit im Nachhinein „unschädlich“ gemacht werden.

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